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Internationaler Erfahrungsaustausch

Erfolgreiche Durchführung der internationalen Informations- und Erfahrungsaustausche nach Niederösterreich, Graubünden und Südtirol sowie Västernorrland

Im Rahmen der Begleitforschung Internationale Erfahrungen des Aktionsprogrammes regionale Daseinsvorsorge (Modellvorhaben der Raumordnung) des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) fanden drei internationale Informations- und Erfahrungsaustausche statt. Der Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung der Technischen Universität Kaiserslautern konzipierte, organisierte und leitete die Austausche. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich aus Vertretern der Modellregionen sowie der Bundes- und Landesministerien zusammen.

Ziel: fachliche Anregungen, internationale Vernetzungen, Kooperationen und Partnerschaften initiieren

Die Erfahrungen aus den internationalen Informations- und Erfahrungsaustauschen zum Umgang mit dem demografischen Wandel und den damit verbundenen Herausforderungen zur Sicherung der Daseinsvorsorge dienten den Modellregionen als Anregungen für ihre eigene Arbeit, zur Belebung des internationalen Austausches und als Anstoß für langfristige Partnerschaften und Vernetzungen zwischen den deutschen Modellregionen und den ausländischen Zielregionen. Aus den intensiven und umfangreichen Diskussionen geben die nachfolgenden Inhalte einen Überblick über ausgewählte Schwerpunkte der Erfahrungsaustausche.

Austausch nach Niederösterreich: Mobilität und Regionalmanagement

Der erste Informations- und Erfahrungsaustausch fand vom 02. bis 04. April 2014 in Niederösterreich statt. Dort tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher staatlicher Ebenen und Organisationen aus, die sich mit der Sicherung der Daseinsvorsorge beschäftigen.

Die Abteilung „Raumordnung und Regionalpolitik“ der niederösterreichischen Landesregierung unterstützt Kommunen bei ihrer Stadt- und Ortskernbelebung durch verschiedene Maßnahmen, wie bspw. die Zentrumszonen. Der Verein „Niederösterreichische Dorf- und Stadterneuerung – Verband für Landes-, Regional- und Gemeindeentwicklung“ versteht sich als Bindeglied zwischen Landesregierung und Gemeinden und bietet seinen Mitgliedern u.a. Beratung, Prozessbegleitung, Moderation und Projektmanagement an. Durch das Regionalmanagement und die Kleinregionen wird die Zusammenarbeit der Kommunen unterstützt. Der gemeinnützige Verein Regionalmanagement Niederösterreich unterstützt die Förderung einer umfassenden Landesentwicklung auf Regions- und Kleinregionsebene. Im Waldviertel, welches die Exkursionsgruppe besuchte, erfolgt die Unterstützung v.a. in den Bereichen Wirtschaft, Infrastruktur, Mobilität, Bildung, Tourismus und Freizeit. Bei den Kleinregionen handelt es sich um einen Zusammenschluss von meist sechs oder mehr Gemeinden zur Bearbeitung verschiedener Themen, wie etwa der Kleinregionalen Identität, Infrastruktur, Mobilität und Gesundheit. Vor allem für die Daseinsvorsorge ist diese Ebene eine wichtige Raumeinheit.

Die Abteilung „Gesamtverkehrsangelegenheiten“ der niederösterreichischen Landesregierung stellte ihre Untersuchung des Pendlerverhaltens der Niederösterreicher mittels Mobiltelefon vor. 1/3 der Pendler pendeln nach Wien, 1/3 in die Bezirkshauptorte und 1/3 differenziert. Darauf aufbauend wurden Strategien für die verschiedenen Pendlergruppen entwickelt, wie z.B. die Bahnhofsoffensive für Wienpendler oder die Mobilitätszentralen Niederösterreich für die Bezirkspendler. Die Mobilitätszentrale im Waldviertel ist Ansprechpartnerin in der Region für die Gemeinden, bietet Beratung, Service und Information für Gemeinden, Schulen und Institutionen an und betreibt Projektmanagement sowie Öffentlichkeitsarbeit. Die Landesregierung unterstützt Kommunen im ländlichen Raum durch Kleinräumige Mobilitätsangebote, wie z.B. Anrufsammeltaxen (AST) oder Gemeindebusse. Sie bietet bspw. Förderungen sowie ein Versicherungspaket für Gemeindebusse an. Fährt vor Ort kein Taxiunternehmen, welches ein AST führen könnte, können Gemeindebusse in kleinen, peripheren Gemeinden eingerichtet werden. Dazu wird ein gemeinnütziger Verein gegründet, der die Beförderung von Vereinsmitgliedern ermöglicht. Finanzierungsquellen sind hauptsächlich Spenden, Mitgliedsbeiträge und der Ticketverkauf. Zwei Beispielgemeinden beeindruckten mit ihrem Einsatz für ihren Gemeindebus.

Austausch nach Graubünden und Südtirol: Daseinsvorsorge im Kontext von wirtschaftlicher Stärkung und der Bedeutung von Persönlichkeiten

Der internationale Informations- und Erfahrungsaustausch nach Graubünden und Südtirol fand vom 21. bis 23. Mai 2014 statt. Verschiedene Exkursionsräume wurden dabei in der Schweiz und Italien besucht und sich mit Referenten über die Möglichkeiten zur Sicherung der Daseinsvorsorge aktiv ausgetauscht.

Der Kanton Graubünden unterstützt mit dem Projekt „potentialarme Räume“ betroffene Regionen bei ihrer Strategieentwicklung zur Schaffung bzw. Aktivierung endogener, insbesondere regionalwirtschaftlicher Potentiale. Der Verein Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) setzt sich für die Interessen der Berggebiete, auch auf politischer Ebene, ein und möchte ihre nachhaltige Entwicklung sichern. Zu seinen Aufgaben zählt ebenfalls die Unterstützung verschiedener Projekte, wie bspw. den „Bus alpin“. In der Schweiz ist jedes Dorf mit mehr als 100 Einwohnern ganzjährig täglich mit mindestens vier Verbindungen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zu versorgen. „Bus alpin“ verknüpft die Themen ÖPNV und Tourismus und schließt die „letzte Meile im ÖPNV“, insbesondere zu touristischen Zielen. Dadurch wird ebenfalls die Auslastung vorheriger Verkehrslinien erhöht.

Weitere innovative Kooperationen werden im Unterengadin im Bereich Gesundheit und Tourismus geschaffen. Durch neue Angebote, wie z.B. Ferien für Gäste mit Pflegebedarf, werden neue Märkte erschlossen, die Wertschöpfung in der Region erhöht und die medizinische Versorgung vor Ort verbessert.

Ausgehend vom Ziel (kleine und kleinste) Schulen in ländlichen Räumen zu erhalten, untersuchte die Pädagogische Hochschule Graubünden die damit verbundenen Herausforderungen und Erfolgsfaktoren. Mehrere Trends wurden abgeleitet, wie etwa ein aktiver Entwicklungsprozess, eine verstärkte Bedürfnisorientierung sowie eine kooperative Arbeits- und Lernkultur. Auch Mehrjahrgangsstufen sind verbreitet.

In Südtirol unterstützt das Projekt „Zukunft 2030“ des Instituts für Regionalentwicklung und Standortmanagement der Europäischen Akademie Bozen die interkommunale Zusammenarbeit von peripheren Talschaften und Gemeinden zur Stärkung der Wirtschaftskraft und Standortattraktivität. Bspw. wurde das Badlwesen im Ultental wiederbelebt.

Aber auch Maßnahmen in einzelnen Infrastrukturbereichen werden in Südtirol unterstützt, wie etwa die Reaktivierung der Vinschgerbahn, die ein gelungenes und sehr erfolgreiches Beispiel zur Förderung des ÖPNVs in Südtirol darstellt. Durch den angeschlossenen Radverkehrsverleih wird die Bahn attraktiv für den Tourismus. Das elektronische Kartensystem ermöglicht den Reisenden automatisch die Nutzung des günstigsten Tarifs.

Mit der Etablierung der Dachmarke Südtirol arbeitet die Region weiter an ihrer (touristischen) Attraktivität und möchte zum begehrtesten Lebensraum werden, um so Menschen auch zum dauerhaften Bleiben zu gewinnen. Dabei soll die Marke sowohl bei Einheimischen als auch Touristen identitätsstiftend wirken und Unternehmen, z.B. bei der Vermarktung lokaler Produkte, unterstützen.

In beiden Regionen wurde die herausragende Bedeutung von Persönlichkeiten, die Themen vorantreiben und Projekte unterstützen, deutlich.

Austausch nach Västernorrland: Medizinische Versorgung, Altenpflege und Breitband

Der letzte Austausch führte vom 24. bis 27. Juni 2014 nach Västernorrland in Schweden. Verschiedene Vertreterinnen und Vertreter der Provinzialregierung, des Kommunalverbundes sowie von Gemeinden berichteten von ihren Projekten und Erfahrungen zur Sicherung der Daseinsvorsorge in einem sehr dünn besiedelten Raum (11 Einwohner pro km²).

Die Provinzialregierung von Västernorrland (Länsstyrelsen Västernorrland) unterstützt mit dem „Regional Service Programme Västernorrland“ das regionale Wachstum und die Sicherung der Daseinsvorsorge. Durch Ressourcenbündelung sowie stärkere Zusammenarbeit von Behörden, Organisationen und Einwohnern werden gemeinsam lokale und integrierte Lösungen entwickelt, u.a. für Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Förderung von Tankstellen trägt zur Verfügbarkeit von Kraftstoff sowie der Einsatz von Shop-Mentoren, die den Ladenbesitzern bei der Attraktivitätssteigerung helfen, zur Verfügbarkeit von Lebensmitteln bei. Zudem fördert die Provinzialregierung mit verschiedenen Maßnahmen den Breitbandausbau. Bis 2020 sollen 90 % der Haushalte und Unternehmen einen Zugang zu Breitband mit mindestens 100 MBit/s haben. Auch ein intensiver Dialog zwischen Unternehmen und Regierung soll dies unterstützen. Forschungsbedarf besteht bei der Frage, welche Angebote zur Sicherung der Daseinsvorsorge durch Breitband möglich sind.

Der Kommunförbundet Västernorrland ist ein freiwilliger Zusammenschluss von sieben Gemeinden, die bestimmte Themen gemeinsam bearbeiten und hierbei beispielsweise innovative Lösungen zur Sicherung der Daseinsvorsorge insbesondere im Bereich sozialer Infrastrukturen mit Forschungsbezug entwickelt. Im Bereich der Schulentwicklung wird die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen zum Erhalt der Schulen unterstützt. Im Bereich Gesundheit werden E-Health Lösungen getestet und entwickelt. In der häuslichen Altenpflege werden bspw. Pflegende durch Informationsprogramme und Webcams in ihrer Rolle unterstützt. Das Norrlandicus Care lab testet als „living lab“ Produkte und Services in der Altenpflege mit Hilfe der Pflegenden, der Pflegebedürftigen und deren Verwandten. Innovationen in der Altenpflege sollen so ermöglicht werden.

Auch Beispiele aktiver Gemeinden lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen und tauschten sich aktiv mit deren Vertreterinnen und Vertretern aus. Die Gemeinde Timrå setzt zur Attraktivitätserhaltung und Einwohnergenerierung insbesondere auf den Tourismus und das Angebot touristischer Gesamtpakete. Durch neue Kombinationen und Ressourcenbündelung sollen nützliche Angebote erhalten und geschaffen werden, wie etwa bei der Integration des Tourismusbüros in den Golf Club. Mit einer Rückholstrategie „Gutes Leben“ möchte die Gemeinde junge Menschen wieder in ihre Heimat zurück bringen. Die Gemeinde Örnsköldsvik startete ein Projekt zum Gleichgewicht zwischen Stadt und Umland. Dazu gehört auch das Konzept der service points, die als Treffpunkt und Lebensmittelversorgung dienen. Sie können in Geschäften oder Tankstellen eingerichtet werden und Angebote wie Kaffee, Computer und Internet, Lieferservice für Lebensmittel und Tourismusinformationen enthalten. Die Gemeinde Kramfors unterstützt Unternehmen und Existenzgründer, da diese gerade in dünn besiedelten und strukturschwachen ländlichen Räumen wichtig sind, es jedoch nur wenige gibt.

Vor allem die Fokussierung auf Chancen und nicht auf Probleme zeichnete die schwedischen Projekte und deren Referentinnen und Referenten aus.

Durchweg positives Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Insgesamt wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein sehr positives Fazit der Informations- und Erfahrungsaustausche gezogen. Einig waren sich die Mitreisenden, dass sie gute Ansätze und Beispiele kennen gelernt haben und durch den intensiven Austausch mit den Akteuren vor Ort und auch den fachlichen Austausch untereinander Anregungen für ihre Arbeit mitnehmen konnten. Kontaktdaten wurden ausgetauscht und eine Verstetigung des Austauschs wird von einigen Modellregionen weiter verfolgt.







 
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